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Zerstörter Observer von Thomas Klegin

Pro und Contra zur Kunst im Öffentlichen Raum von Hattingen  

WAZ Hattingen 03.07.2009,

Viele Feinde, wenig Ehre

Kunst im öffentlichen Raum hat in Hattingen einen schweren Stand. Experten unterstreichen die Bedeutung .

Morandini-Tor und Observer, zwei Kunstwerke im öffentlichen Raum, die die Emotionen ansprechen. Die Befürworter setzen sich leidenschaftlich ein, die Gegner indes bekämpfen die Objekte mit oft populistischen Parolen. So war es oft in Hattingen: Kunst und Kultur haben hier einen schweren Stand – jetzt mehren sich die Streitpunkte.

„Kunst im öffentlichen Raum ist im Unterbewusstsein ganz wichtig”, meint Walter Ollenik, Fachbereichsleiter Kultur bei der Stadt. „Viele Menschen fliegen nach Mallorca und finden Palma so toll, weil da so viele Kunstwerke zu sehen sind – hier soll aber alles immer nur in Kinder und Bildung investiert werden.”

Ollenik nennt „Die Liegende”, ein Objekt, auf der oberen Heggerstraße. „Ältere meckern, aber viele Kindern klettern auf ihr herum. So bleiben sie in Kontakt zur Kunst, genauso beim Treidelbrunnen.” Solche weichen Standortfaktoren würden oft nicht wahrgenommen, „spielen aber eine wichtige Rolle in der Stadt”.

Es geht ihm um Aufenthaltsqualität und Wohlfühlfaktoren, gerade für Gäste. Kunst sei dabei ein wichtiger Punkt. Ollenik: „Man sollte bedenken, dass jeder Besucher im Schnitt 34 Euro hier lässt. Bei 70 000 Übernachtungen sind das mehr als zwei Millionen.”

Sein nächstes Projekt wird das Morandini-Tor zwischen Fußgängerzone und Reschop Carré sein. 150 000 Euro soll es kosten, 80 Prozent übernimmt das Land. Der Künstler wird bald in Hattingen erwartet, um den genauen Standort zu besprechen.

Den richtigen Standort hatte auch der Kunstverein und Thomas Klegin für den Observer gefunden – dachten sie zumindest. In dieser Woche wurde das Kunstwerk auf der Ruhr bei Birschels Mühle aber zum zweiten Mal zerstört.

Dezernent Andreas Bomheuer tut sich schwer mit Intoleranz gegenüber der Kunst. Denn Kunst sei gerade in schwierigen Zeiten wichtig. Dass der Observer weg soll, wie mancher schreibt, „so was hatten wir schon mal vor über 60 Jahren”. Kunst sei dafür da, sich inhaltlich mit ihr auseinanderzusetzen. Klar gebe es auch bequeme Kunst. Doch „spannende Kunst für mich ist die unbequeme”.

Nachdem Thomas Klegin nach der zweiten Beschädigung Anzeige erstattet hat, bittet die Polizei jetzt um Hinweise. Obwohl Baden dort verboten ist, kletterten Kinder und Jugendliche in den vergangenen Tagen auf der Installation herum. Dass jugendlicher Übermut den Schaden verursacht hat oder „Menschen, die zu viel getrunken haben”, erscheint Bomheuer wenig wahrscheinlich, „wenn ich die Kommentare lese”. Die Feuerwehr half bei der Bergung. Annette Quast vom Kunstverein hat sich „fürchterlich aufgeregt über die Intoleranz”. Klegin, der seit 20 Jahren draußen ausstellt, hat Zerstörung „so extrem noch nicht erlebt”. Er will nicht klein beigeben, sondern mit seiner Kunst auf Beobachtungsposten bleiben.

Warten aufs Geld

Der Bewilligungsbescheid über die Fördergelder des Landes NRW für das Morandini-Tor steht kurz bevor. „Wenn das Geld da ist, werden wir mit Hochdruck anfangen”, sagt Walter Ollenik, Fachbereichsleiter Kultur bei der Stadt. Noch in diesem Herbst könnte das Tor, das zwischen der Fußgängerzone und dem Reschop Carré stehen soll, fertig sein, so Ollenik.

Kommentare und Meinungen der Hattinger Bürger zur Kunst im öffentlichen Raum.

WAZ Juli 2009Kunst gefällt nicht jedem – nur darf es dabei nicht so weit kommen, dass Werke mutwillig zerstört werden, weil sie einem nicht in den Kram passen. Das ist respektlos, das ist intolerant.

Die Verfechter von Kunst im öffentlichen Raum müssen allerdings auch ein bisschen Vorsicht walten lassen. Gerade weil sich vor allem in Hattingen viele Menschen aufregen, sollten sie ihre Projekte besser erklären, sie sollten mehr aufklären. Denn gerade in dieser Zeit ist es den meisten Bürgern lieber, wenn pragmatisch investiert wird. Wenn Geld in Kinder- und Jugendarbeit gesteckt wird, in Schulen und Sportklubs.

Verständlich, denn es ist offensichtlich, dass es dort zurzeit am dringendsten benötigt wird. Das darf aber nicht heißen, dass für andere Dinge nichts übrig bleibt. Hier ist auch Verständnis von Kunst-Gegnern gefordert. mb

 

Viel Feinde, wenig Ehre, aber trotzdem wird das Stadttor gebaut, koste es was es wolle...
Wie wäre es denn wenn man mal die Bürger abstimmen lassen würde?
Soll doch die Mehrheit entscheiden.

von Fireblade, am 03.07.2009 um 21:28

Ich bin nicht gegen Kunstwerke im öffentlichen Raum, aber dagegen, dass diese durch Steuergelder finanziert werden. Wenn ich eine Firma hätte, und Werbung dafür machen will, muss ich das aus eigener Tasche bezahlen. Kunst im öffentlichen Raum ist Werbung für den Künstler.

von michaelj85, am 03.07.2009 um 21:55

Anscheinend ist bei der Stadt Hattingen der eine oder andere ziemlich korrupt. Wer für dieses Stadttor seine politischen Mächte einsetzt, wird für so einen Schwachsinn vielleicht auch die Hand aufhalten.

von tommytulpe01, am 03.07.2009 um 22:41

Den meisten Bürgern wird es wohl egal sein, ob an einer Stelle ein Kunstwerk steht oder nicht. Aber es ist doch so, dass wenn es da ist, die wenigsten dem ablehnend gegenüberstehen. Natürlich, wenn man es regelmäßig sieht, werden die meisten gleichgültig. Man hält es für selbstverständlich. So wie die Altstadt: die meisten Einheimischen sind das Kleinod gewohnt. Aber die Touristen sind begeistert und erinnern uns Einheimische wie schön Hattingen ist. Einigen Kommentatoren kann ich nur raten einmal hörend und sehend durch die Strassen zu gehen.

von fcstwolf, am 03.07.2009 um 23:23

Nach meinem Eindruck ist das Geld zweckgebunden, der Landeszuschuss wie auch der 20%ige Anteil der Stadt. Es geht demnach nicht darum, es lieber für etwas Anderes auszugeben, sondern nur darum, ein Kunstwerk hinzustellen oder den Platz leer zu lassen.
So ziemlich jedem würde wohl ein alternativer Verwendungszweck für 150.000 Euro oder auch nur für 1% davon einfallen, aber um an dieses Geld zu kommen, müsste man wohl einige Etagen weiter oben einsteigen und die entsprechende Landes-, Bundes- oder gar EU-Gesetzgebung ändern und es der Kommune ermöglichen, Mittel aus dem betreffenden Etat stattdessen nach eigenem Ermessen für andere Zwecke einzusetzen - wie es der kleine Bürger und Steuerzahler im realen Leben auch tun muss: Ist der Kühlschrank leer, wird halt nicht in den Urlaub gefahren.
So lange die Zustände aber sind wie sie sind (und wir alle kennen die Reaktionsgeschwindigkeit der uns Verwaltenden, mag der gesunde Menschenverstand noch so verzweifeln), ist die Inanspruchnahme eines solchen Etats vermutlich das kleinere Übel verglichen mit nichts - und sei es lediglich in der Hoffnung, wenigstens auf Touristen eine besseren Eindruck zu machen, die von an gleicher Stelle fehlenden Sozialausgaben zumindest so lange nichts mitbekommen, bis sie von den davon Betroffenen während des Stadtrundgangs um etwas zu essen angebettelt oder kurzerhand ausgeraubt werden.

von banause2, am 03.07.2009 um 23:24

Ich sympathisiere mit jedem Vandalen, der diese "Kunstwerke" entstellt - das ist auch eine Form von Widerstand gegen diese selbstherrliche und undemokratische Stadtpolitik.

von Max, am 04.07.2009 um 00:07 ,
Und was die Altstadt und den Tourismus betrifft, so frage ich mich warum man immer die Altstadt hervorhebt, denn
den Wirtschaftszweig Altstadt und auch den Tourismus hat man doch schon anfang der 90er Jahre zugunsten einiger weniger Anwohner begonnen zu zerstören, indem man die doch eigentlich begehrten Touristen die im Sommer draußen sitzend ein Bier trinken wollten, um 22 Uhr in die Kneipen verwiesen hat, was natürlich dazu geführt hat das die meisten Gäste bei sommerlichen Temperaturen ihr Bier doch lieber am Bermuda Dreieck, in der Düsseldorfer Altstadt oder mittlerweile im Centro Oberhausen im freien genießen.
Und die vermeintlichen Kunstwerke die nun (für den Tourismus?) aufgestellt werden, können die Gäste auch weder über unsere kaputten Straßen noch über böswillige Planungsfehler hinwegtäuschen denn sie müssen ja erst einmal hier ankommen, entweder über unsere maroden Straßen, oder sie landen, wenn sie mit dem ÖPV kommen, zwangsläufig im Einkaufszentrum und nicht in der Altstadt..

von Fireblade, am 04.07.2009 um 09:05

Generell stehe ich der Kunst im öffentlichen Raum positiv entgegen.
Sicherlich sind Gelder, die da fließen auch zweckgebunden und man sollte es auch nutzen solange man noch was bekommt.
Aber unsere Verwaltung sollte mal überlegen ob die Bepflasterung der Fußgängerzone nicht notwendiger ist. Auch das und speziell das bleibet auch bei unseren Gästen und Bürgern als „Negativstadt“ im Kopf hängen.

von KellerAtelier.eu, am 04.07.2009 um 09:58

Kunst ist und wird ein strittiges Thema bleiben. Was den einen in höchste Schwingungen versetzt, bringt dem anderen nichts als ein müdes lächeln.
Ich denke an die Zeit, als der unbekannte Picasso seine ersten Bilder an die Öffentlichkeit brachte. Gelächter, Unverständnis Begeisterung. Damals konnte man diese Kunstwerke für ein paar Mark kaufen und heute wäre jeder froh, wenn so ein Bild sein eigenes wäre.
Kunst ist eben nur für den Kunst, der sie versteht. Kunst ist nur so weit erschwinglich, wie die notwendigen Mittel dafür aufgebracht werden können. Das scheint ja bei uns in Hattingen kein Problem zu sein. Unsere Führungsspitze bekommt Zuschüsse und den Rest wird schon die Sparkasse übernehmen. Sei es als Spende oder als Kredit. Da werden die Steuergelder für Dinge ausgegeben, die in dieser schweren Zeit wirklich mehr als überflüssig sind. Argumente warum es trotzdem durchgeführt wird fehlen natürlich nicht. Der Wähler ist ja doof.
Ob die Verwaltung wohl Geld für die Sanierung der Heggerstrasse übrig hat? Die Stolperfallen werden immer mehr. Es wird geflickt und gebastelt. Ist das nicht auch eine Kunst?
Wenn ein Unternehmer mit seinem Kapital so umgehen würde wie unsere Stadtverwaltung, stände bald der Staatsanwalt vor der Tür. Doch unsre Verwaltung sieht kein Problem mit der Kapitalbeschaffung, solange die Sparkasse noch Geld im Keller hat.
Frei nach dem Motto: Hattingen hat`s (nötig)
Danke Frau Bürgermeisterin!

von ruhrchatter, am 04.07.2009 um 14:26

Es ist aber doch offensichtlich so, dass die meisten Hattinger Bürger diese so genannten "Kunstwerke" nicht als diese ansehen (wollen). Weil eben nicht zu erkennen ist, wo die Kunst versteckt wurde. Und genau wie beim Logo (hoffentlich denken die Hattinger bei der nächsten Wahl noch daran), scheinen sich Minderheiten dickköpfig durchzusetzen. Das ist das eine. Das andere ist eben, wie oben schon mehrfach erwähnt, dass dieser Mist auch noch von Steuergeldern finanziert wird, ohne dabei an die wirklichen Probleme unserer Stadt zu denken.
So nicht, Frau Bürgermeisterin. Aber Sie setzen sich schon durch- wie immer.
von Peter K, am 04.07.2009 um 17:29

Denkmäler, um zukünftigen Generationen zu verkünden, welche glanztaten und Leistungen hier vor langer zeit zum nutze der Allgemeinheit (IRONISCH) erbracht wurden
von paul doofkoop, am 04.07.2009 um 20:29

Seh ich hier denn nur "Doofköppe" denen nichts Neues einfällt??
von fcstwolf, vor 21 Stunden

Dezernent Andreas Bomheuer tut sich schwer mit Intoleranz gegenüber der Kunst. Denn Kunst sei gerade in schwierigen Zeiten wichtig." - Das schon, nur darf man den Bürgern seitens der Stadt nicht auf dem Kopf herumtanzen. Am 30.8. werden sicher die Reaktionen den Verantwortlichen endlich einmal die Sprache verschlagen; dann wird ein langwieriger Umdenkungsprozess beginnen, der hoffentlich auch einmal zum Austausch der politischen Akteure führen wird.
von Argus, vor 12 Stunden

Kunst in Hattingen ist:
als alter Mensch ohne zu stolpern die Heggerstrasse hinaufzulaufen.
von pannhase, vor 11 Stunden Ich hatte gerade Gelegenheit, mir den Observer im alten Ruhrarm, auch "Sack" genannt, einmal von allen Seiten anzusehen. Wenn es denn Kunst ist, muss man das akzeptieren und auch respektieren. Es blockiert mit seiner Unansehnlichkeit aber den schönen Blick in diesen Teil der Ruhr, egal von welcher Seite. Es sollte deshalb nicht repariert sondern alsbald entfernt werden.

 

Schluss mit Beobachten

WAZ Hattingen, 31.07.2009, Michael Brandhoff

Nachdem der „Observer” erneut beschädigt wurde, hat sich Künstler Thomas Klegin entschlossen, seine Installation abzubauen.

Hattingen sollte für Thomas Klegin ein Neuanfang werden. Im Februar war das Atelier des Künstlers aus Schwerte ausgebrannt, 20 Jahre seines Wirkens waren von einem Moment auf den anderen zerstört worden. Der „Observer”, der auf der Ruhr in der Nähe des Landhauses Grum die Blicke auf sich ziehen sollte, war seine erste große Arbeit danach. Er hat viel Herzblut investiert, Ideen, sogar eigenes Geld. Doch nachdem seine Installation jetzt zum dritten Mal zerstört wurde, entschloss sich Klegin dazu, sie abzubauen.

„Es steht nur noch ein Stuhl, da macht reparieren keinen Sinn mehr”, erklärte er am Freitag. Alleine hat er daraufhin mit der Demontage begonnen, am Samstag kommt Unterstützung.

Der „Observer” (Beobachter) war Mitte Mai aufgestellt worden – eine Installation, die aus vier Schiedsrichter-Hochstühlen in Rot und Weiß besteht. Sie schwamm auf der Ruhr, die Hochsitze waren so bearbeitet worden, dass niemand hinaufklettern konnte. Bis Ende September sollte das Kunstwerk schwimmen, sollte die Aufmerksamkeit auf den alten Gahlenschen Kohlenweg lenken. Dazu gab es auch noch eine Kunstflug-Aktion, bei der ein Kondensstreifen den Weg nachzeichnete.

Bereits nach einer Woche wurde der „Observer” zum ersten Mal zerstört. Zwei der fünf Schwimmbälle wurden beschädigt, Stangen verbogen. Thomas Klegin überlegte bereits, sein Werk abzubauen, machte sich dann aber doch daran, es zu reparieren. Anfang Juli die zweite Sachbeschädigung: Ein kompletter Hochstuhl wurde samt Aufbau abgerissen. Klegin stellte bei der Polizei Strafanzeige und machte sich erneut die Mühe, den „Observer” aufzubauen.

Jetzt die dritte Attacke – und der Künstler hat genug: „Die Hattinger neigen offensichtlich zum Vandalismus. Na ja, vielleicht nicht die Hattinger generell, vielleicht ist es ein Problem dieser Zeit”, sagt er. „Die Menschen sind kulturell desinteressiert.”

Er mache Kunst für die Gesellschaft, betreibe viel Aufwand, „aber so etwas ist mir noch nicht passiert”. Klegin führt ein Beispiel aus seiner Heimatstadt Schwerte an: „Seit dem Jahr 1998 steht dort eine große Arbeit von mir mit Kristall-Spiegeln – es wäre leicht, diese einzuwerfen, doch dort passiert nichts. Wieso ausgerechnet der ,Observer' zur Zielscheibe wurde, weiß ich auch nicht.”

Auch die Reaktionen in unserem Internet-Portal DerWesten.de überraschten den 48-jährigen Kunst-Professor: „Zum einen, weil überhaupt so viele reagiert haben, andererseits aber auch, weil sie so heftig gegen den ,Observer' waren.”

Den Kunstverein, der die Aktion vor Ort begleitet hat, informierte Thomas Klegin am Freitagmittag über seinen Entschluss, die Installation wieder abzubauen.

Mittel von der Bezirksregierung

Auf etwa 8000 Euro Materialkosten beziffert der Künstler Thomas Klegin den Wert seines „Observers”, die Arbeitsstunden nicht eingerechnet. Einen Teil hat er selbst getragen, einen weiteren Teil gab es als Fördermittel von der Bezirksregierung in Arnsberg, die den Gahlenschen Kohlenweg mit Blick auf die Kulturhauptstadt 2010 bekannt machen möchte. Der Gahlensche Kohlenweg ist der ehemalige Kohletransportweg, der durch Kunst-Aktionen wieder ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden soll.

Den Kunstverein, der die Aktion vor Ort begleitet hat, informierte Thomas Klegin am Freitagmittag über seinen Entschluss, die Installation wieder abzubauen.

 

Straßen-Wahlkampf

WAZ Hattingen, 02.08.2009, Timo Klippstein

Auszug aus Artikel Neues Selbstverständnis

Die Bürgermeisterkandidatin Frau Barbara Niemann (CDU) nennt die Kunst in Hattingen als Thema, an dem sich die Geister scheiden. Mehr Transparenz – was mit Kunst wo gemacht wird – schlägt die Kandidatin vor. Und auch ein neues Selbstverständnis der Hattinger Bürger als Gemeinschaft.

Als Beispiel führt sie die Stele des Künstlers Günter Steinmann in der Winzermark an. Hier sei die Kunst auf dem neuen Dorfplatz bei den Anwohnern darum so gut angekommen, weil der lokale Bezug vorhanden sei.

Kommentare dazu:

Jetzt schielt die Wirtschafts-Kandidatin aus dem Hügelland auf die Stimmen der Kulturbanausen-Fraktion. Schade. Frau Niemann fordert in wischi-waschi: Mehr Transparenz. Soll wahrscheinlich heißen: Weniger Kunst, billigere und selbst gehäkelte Kunst. Sie lobt den lokalen Bezug. Hatte der „Observer“ in der Ruhr auch, haben die Stadttore mindestens so viel. Oder? Das von ihr gelobte Kunstwerk hat Günter Steinmann umsonst aufgestellt. Kann sich nicht jeder leisten. Ansonsten meckert hier komischerweise keiner von Schrott und Sondermüll, MichelHattingen, Feuermotorrad, wo seid Ihr? Nein, haltet Euch lieber zurück! Ich sage: Es ist gut, dass die Steinmann-Plastik aufgestellt ist. Keine Lösung ist „Kunst umsonst“. Künstler brauchen auch wirtschaftlichen Freiraum, um Neues, Riskantes auszuprobieren. Sonst verkommt Kunst zur Bedienung von Lederhosenromantik, Schlagernostalgie und sonstigem Altbekannten.

#1 von Wahlfisch, am 03.08.2009 um 11:25

 

Mit Plattitüden lassen sich allenfalls die ganz Dummen einfangen.
Wo sind die harten Fakten und Daten? Was wird Frau Niemann konkret ändern, mal abgesehen vom Verteilen der Posten und Pöstchen?

#2 von dusselbiene, am 03.08.2009 um 16:21

 

Es muss sich definitiv etwas ändern in Hattingen, und das geht nur mit Frau Niemann. Frau Goch hat Ihre Chance gehabt.

von Buchhalter, am 03.08.2009 um 17:57

@wahlfisch

lokaler Bezug von Kunst hat ein "Kunsttor" nicht, weil es Tor heißt.
Der Observer steht (stand) zwar Nahe am Kohlenweg, aber wurde von wenigen der Bezug zu diesen erkennbar.
Das ist ein Problem, vor allem wenn Kritiker niedergeschrieben werden.
Wenn ein Bezug sichtbar nicht vorhanden ist, muss man diesen erklären. Das schafft, wenn die Erklärungen verständlich sind, einen Bezug.
Nicht "einfach was hinstellen" sondern den Bürger mitnehmen. Ihn nicht als Kunstbanause beschreien, sondern erklären. Das geht nicht mit dem Vorwurf Kulturbanause. damit bringen sie viele in eine Ecke, in der die meisten Fragenden nicht stehen.
Warum also nicht im VORFELD mit den Bürgern sprechen, das ist doch genau das, was Frau Goch mal versprochen hatte...
@dusselbiene:

Mit Plattitüden lassen sich allenfalls die ganz Dummen einfangen" schreiben Sie.
Die drei sinnleeren Schlagworte von Frau Goch sind in meinen Augen nicht mehr, sogar noch weniger.
Und die wirtschaftlichen (Teil-)Erfolge gar Frau Goch zu zuschreiben ist absurd, da die damaligen, notwendigen Veränderungen (Henrichspark ) VOR ihrer Wahl und von Bundes- und Landesmittel geschaffen worden sind.
(Zur Sicherheit muss man ja hier noch schreiben:
Ich bin GEGEN Zerstörungen und Vandalismus, dies gilt auch für Kunst im öffentlichen Raum)

von ich und ich, am 03.08.2009 um 19:02

 

Frau Niemann möchte Sie die Dinge anpacken, denn so kenne sie es eben aus ihrem Beruf als Gastronomin. OK soll sie tun und wie das in der Gastronomie geht, wird sie wissen aber weiß sie auch, wie Sie das in der Politik machen möchten? Ich kann mir leider nicht vorstellen das einer Ihrer Chefs, so zum Beispiel der CDU-Partei- und Fraktionschef Gerhard Nörenberg sie einfach mal so alles anpacken lässt ohne das er es bewilligt.
Und dann hätten wir da auch noch die FDP mit Frau Ulrike Dieckmann als Vorsitzende, die will sicherlich auch noch gefragt werden.
Die kann den beiden ja schlecht ein Bier zapfen und gut ist. Die wollen da sicherlich auch was zu sagen oder nicht! So und bis Frau Niemann dann was anpackt, müssen sich CDU und FDP erst mal einig werden oder nicht!
Fragen von älteren Bürgern zielen häufig auf Themen wie das Pflaster auf der Heggerstraße oder den städtischen Verkehr. „Die Menschen wissen doch, was die wirklichen Probleme sind. Und das sagen sie mir auch – oft mit Vorschlägen zur Lösung”, erzählt Barbara Niemann.
Wenn Frau Niemann, mal zeit neben ihrer Gastronomie Kajere hat, dann schaut sie ja schon mal als Besucher bei den Ratsitzungen vorbei, was für sie sehr löblich ist, wenn sie aber auch mal nicht wie in Kino benehmen würde, dann hätte Sie sicherlich neben Ihren Keksen, Schokoriegeln und anderen Süßigkeiten mitbekommen wie Ihr Chef gegen die Umgestaltung der oberer Heggerstrasse war.

von Hattingergeist, am 03.08.2009 um 22:16

 

Lieber 4von ichundich
Ich finde es gut, dass Du gegen Vandalismus bist. Trotzdem meine ich: Dieses abschätzig, lockere Dahingeschreibsel von „Sondermüll“, „Schrott“, „Bierdosen-Kunst“ etc. macht den Vandalen Mut. Der Missachtung im Wort folgt die Respektlosigkeit in der Tat.
Natürlich wurde das Kunstwerk vom Kunstverein, der die Installation verantwortet, bei der Eröffnung und in Führungen ausführlich erklärt. Da müsste man dann mal hingehen, wenn man es denn ernst meinen würde.
Man kann die Installation als Beitrag zum Gahlenschen Kohlenweg auch ohne Erläuterung auf sich wirken lassen. Kohle und Eisen waren immer mit Observation auf der „Ruhr“ verbunden. Rohstofftransporte wurden organisatorisch beobachtet von Firmen, Polizei und Behörden. Oder denk mal an die Besatzungsmächte nach den Weltkriegen. Höchste Observation.
Die Beobachtung findet heute in der Freizeitwelt statt, auf deren Beobachtungstürme der Künstler anspielt. Schwimmen verboten, bzw. nicht empfohlen. Die Ansiedlung von Fischen, Vögeln, etwa Lachsen oder Reiher wird akribisch verfolgt.
Ich finde, der Künstler Thomas Klegin hat diese Aspekte angetippt und damit eine bedenkenswerte Ergänzung gegeben zu Loren mit den Aufschrift „Wiege des Ruhrbergbaus“ (Sprockhövel), zu Fördertürmen und dem Eisenweg im Industriemuseum. Ihr hättet seine Idee zumindest respektieren dürfen, statt mit Schlamm zu schmeißen.

von Wahlfisch, am 03.08.2009 um 23:34

 

Kandidatin-Blabla auf höchstem Niveau! Kein Quäntchen politische Substanz. Die CDU hat sich bereits ihre Suppe tüchtig versalzen.

von Arg4s, am 04.08.2009 um 05:25

 

Leserbrief WAZ Hattingen 6 Juli 2009

>Kunst im öffentlichen Raum<

Bestand hat die Kunst die angefeindet wird

Die (Kunst-)Geschichte lehrt uns zweierlei: Das gesunde Volksempfinden war immer kunstfeindlich. Bestand hatte und hatt immer die Kunst, die am meisten angefeindet wird

Günter Kronenbitter

 


     
 

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